Der BVB hat am vorletzten Samstag mit dem verdienten 2:1 Auswärtssieg bei der TSG Hoffenheim ein fußballerisches Ausrufezeichen gesetzt. Vor allem spielerisch war das überzeugend, was diese junge Truppe ohne die verletzungesbedingt fehlenden Kehl, Hajnal, Tinga, Le Tallec, Dede, Rangelov, Öztekin und Valdez da auf dem Spielfeld brachte. Ein leichtes Schmunzeln macht sich breit, wenn sich Herr Rangnick ein mal mehr als schlechter Verlierer zeigt und noch mehr als eine halbe Woche später alle Schuld beim Schiedsrichter und auf Nebenschauplätzen sieht. Der hat diese Niederlage wohl nicht verwunden
Von Herrn Rangnick gibt es nach fast jeder Niederlage die verbissene Suche nach den Schuldigen. Bloß nicht in den eigenen Reihen. Wie könnte denn eine andere Mannschaft besser spielen als Rangnicks Team? Nein, dass muss an den Schiedsrichtern oder an den bösen, bösen Fans liegen – gar Hooligans? – die sich nicht dem Businessplan gemäß verhalten.
Ein weiteres interessantes Thema rund um das Spiel in Sinsheim wurde von Hans-Joachim Watzke, dem Borussen-Geschäftsführer, bei der Aktionärs-Hauptversammlung am Dienstag vor dem Spiel, angestoßen. Hierbei äußerte Watzke Kritik vor allem in zwei Punkten: Zum einen kritisierte er, dass bei einigen Vereinen, vor allem bei der TSG Hoffenheim, die 50+1 Regel ausgehöhlt bzw. umgangen wird. Zum anderen wurde die Vergabe der Fernsehgelder kritisert, hierzu machte Watzke auch direkt einen konkreten Lösungsvorschlag.

Hans-Joachim Watzke. ©http://www.schwatzgelb.de/
In der medialen Berichterstattung wurde die Chance größtenteils vertan, sachlich über die Zukunft des deutschen Fußballs zu diskutieren. Das sog. „Modell Hoffenheim“ – bei Traditionalisten verpönt – wird sowohl von vielen Medienakteuren als auch vom DFB als unantastbar angesehen. Das ganze gipfelt dann in dem
uschihaften Verhalten der Hoffenheimer und Herrn Hopp, die bei jedem Anti-Hoffenheim/Hopp-Gesang aufschreien und sich an den DFB wenden. So stand das alles nicht im Businessplan!
Neulich stellte er überrascht fest, dass es im Fußball-Geschäft leider leider nicht so wirtschaftlich-kühl zugeht wie in seiner eigentlichen Unternehmerwelt. Knallharter Wirtschaftskapitalismus wird mit „innovationsfreundlich“ nett umschrieben. Da kann ich nur sagen: Das ist auch gut so, lieber Herr Hopp. Hier verwechselt er Birnen mit Äpfeln! Natürlich stecken große Wirtschaftskräfte auch in der Bundesliga und im Profifußball ist eine gute und solide Wirtschaftlichkeit unerlässlich, aber zu aller erst ist der Fußball – für die Fans jedenfalls – eine emotionale Angelegenheit!
Dass es Herrn Hopp wohl eher um seine eigenen Eitelkeiten geht liegt Nahe, dies wurde auch gut
in einem Beitrag bei Sport Inside dokumentiert. Sobald auch nur die leiseste Kritik aufkommt, versucht Herr Hopp diese Kritiker mundtot zu machen, in dem er sie bspw. bei dem DFB anschwärzt. So geschehen bspw. in der Saison 2007/08, als Christian Heidel, der Manager des FSV Mainz 05 es wagte, sich dahingehend zu äußern, dass er es kritisch sehe, wenn das „Modell Hoffenheim“ Schule machen würde, und jeder Milliardär seinen Heimatverein mit aller Macht in die Bundesliga bringen will.
So sah es auch in den vergangenen Tagen aus. Anstatt sich sachlich mit den Argumenten auseinanderzusetzen und sich überhaupt auch nur ansatzweise mit der Kritik zu beschäftigen, verfielen die Verantwortlichen aus Hoffenheim sowie ein Großteil der Medien in einen hysterischen Aufschrei! Das sog. Modell Hoffenheim darf nicht kritisiert werden! Immerhin ist in der SZ am vergangenen Samstag ein ausführlicher, sachlicher(!) Artikel von Freddie Röckenhaus zu dem Thema erschienen, der sich dem ganzen vor allem in der Sache genähert hat, abseits von den sonst medial überwiegend unsachlichen und hysterischen kritikabweisenden Reaktionen. Röckenhaus erkennt, dass nicht nur die Fans in Dortmund um „ihren“ Fußball kämpfen!
Die Diskussionen zu dem Thema sind nicht neu, die Problematik wurde im Laufe des Jahres bereits mehrmals von Watzke klar angesprochen. So hat er bspw. bereits in diesem sehr lesenswerten Interview zu Saisonbeginn zu dem Thema ausführlich Stellung genommen und einen gerechteren Verteilerschlüssel für die Fernsehgelder mit Hilfe der Einschaltquoten vorgeschlagen.
Was verbirgt sich überhaupt hinter diesem schönen Begriff „Modell Hoffenheim“? Dietmar Hopp und sein Verein haben es geschafft, einem Großteil der Medien, die teilweise an die Lemminge erinnern, einzutrichtern, dass das Modell Hoffenheim einzig und allein positiv gesehen wird – quasi ein Märchen aus Tausend und einer Nacht, bei dem Herr Hopp den Geist der TSG aus der Flasche hat steigen lassen, damit sie tollen, attraktiven Fußball spielt. Ein kleiner Dorfverein der vom Gutmenschen Dietmar Hopp aufgepäppelt wurde, damit sich die Medienwelt ergötzen möge an deren Spiel! Das ist die eine Seite! Klingt gut und einfach. Die andere Seite wird gerne von vielen Medien-Akteuren verdrängt: Denn ursprünglich stand das Modell Hoffenheim für Fußball aus der Region. Hopp wollte eine Mannschaft insbesondere durch Talente aus der eigenen Umgebung formen. Doch als er merkte, dass man damit nicht so schnell nach oben kommt, überwarf er das Konzept zugunsten von Millionenausgaben für teure Transfers.
Das alles wäre jedoch nicht schlimm. Viel gravierender ist die faktische Aushöhlung bzw. Umgehung der 50+1-Regelung, die besagt, dass ein deutscher Profifußballverein immer mind. 50+1 % (also die Mehrheit) am eigenen Verein halten muss, so dass kein Investor von außerhalb das Vereinsgeschehen bestimmen und Vereinsrechte umgehen kann. Dies ist in Hoffenheim jedoch der Fall (auch bei dem Werksclub Bayer Leverkusen sowie dem faktisch VW untergeordnetem aktuellen deutschen Meister VfL Wolfsburg lohnt es sich, diesbezüglich mal näher hinzuschauen). Hier bestimmen keine Vereinsgremien die Leitlinien, sondern einzig und allein Mäzen Dietmar Hopp hat das Sagen. Er gibt vor, wie viel Geld in neue Spieler investiert wird, wer gehen muss und wer bleiben darf, welcher Spieler gekauft wird usw. Hier degradiert man die Vereinsgremien zur hohlen Staffage.

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Dies muss man erst mal so hinnehmen, man sollte es jedoch wissen und bedenken, wenn es mal wieder einen Aufschrei in den Medien gibt über die Kritik an Hopp. Dass die Medien hierbei keine Mehrheitsmeinung unter den Fußballfans abbbilden wird an den zahlreichen mehr oder weniger kreativen Fanaktionen unterschiedlichster Vereinszugehörigkeit zum Thema deutlich. Dass es hierbei neben vielen kreativen und einfallsreichen Slogans (bspw. „DASS DICH KEINER LEIDEN KANN – STAND WOHL NICHT IM BUSINESS-PLAN“) auch mal etwas deftigere Worte gibt, ist im Fußballalltag (leider) alltäglich. Persönliche Beleidigungen gegenüber Herrn Hopp sind sicherlich Fehl am Platz und für die Sache eher nicht förderlich, da dies Wasser auf den Mühlen all jener ist, die in dem Protest nur dumpfen Neid und Dummheit sehen wollen. Die direkte Ansprache der Fans zeigt jedoch auch ihre Besorgnis um den Kern des Fußballs. Die Kritik sollte sich jedoch auf das Modell Hoffenheim an sich und die Gefahren für den Fußball durch eine Ausbreitung dieses Geschäftsmodells im allgemeinen fokussieren. Die Gefahr besteht doch darin, dass die über einen längeren Zeitraum gewachsenen Vereine mit all ihren Fans, von Investoren, die im Fußball einen Spielplatz für ihre Eitelkeiten gefunden haben, und deren Geld überrannt und durch ungerechte finanzielle Gegebenheiten in ihrer sportlichen Konkurrenzfähigkeit beschädigt bzw. unerlaubter Weise benachteiligt werden, wenn man hier nicht aufpasst und die 50+1-Regelung eben durch bspw. eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder ergänzt.
Über die zentrale Forderung von Watzke wurde erst gar nicht groß berichtet oder gar diskutiert in der Medienöffentlichkeit. Vielmehr wurde nur geschrieben, man sei neidisch oder man berufe sich auf Tradition und das sei altbacken. 1. Kenne ich niemanden der neidisch ist auf Hopp und seine TSG (zu Rangnick fällt mir nur ein müdes Lächeln ein und zu Herrn Hopp nur Unverständnis ob seiner Empfindlichkeit gegenüber jeglicher Kritik) und 2. Hat das nix mit einfachem Berufen auf Tradition zu tun. Es gibt genügend Beispiele von Traditionsvereinen, die an ihren Mäzenen (fast) zugrunde gegangen sind (Westfalia Herne, SG Wattenscheid 09, Fortuna Köln).
Hans-Joachim Watzke sagte völlig zurecht: „Es darf nicht sein, dass die großen Klubs wie Schalke, der HSV und wir die Folklore abliefern, und Klubs aus Hoffenheim und Wolfsburg die Sahne aus dem Thema lutschen!“ Deswegen schlug er eine entsprechende gerechtere Änderung bei der Vergabe der Fernsehgelder vor: Nicht allein der Tabellenplatz soll für die Höhe der TV-Gelder entscheidend sein, die ein Bundesligist erhält, sondern ebenso solle man das Fanaufkommen berücksichtigen. Denn schließlich sind es ja die Fans, die für die Einnahem der Fernsehsender und somit auch für das Aufkommen der Fernsehgelder sorgen. Es wäre ein einfaches, technisch zu überprüfen wie viele Fans sich ein bestimmtes Spiel im Pay-TV angucken. Dies sollte man in den Verteilschlüssel der Fernsehgelder einbeziehen. Aus Hoffenheim kommt ja immer das Argument: Wir haben so viele Fans, unsere Art Fußball zu spielen wird geliebt. Na also: Dann könnten sich die Hoffenheimer doch problemlos Herrn Watzkes Vorschlag anschließen, denn dann werden sie ja auch sicherlich gaaaaaaaaaaaaanz viele Sky-Zuschauer bei ihren Spielen haben und sie würden von diesem Verteilerschlüssel, der der Verursachergerechtigkeit dient, profitieren.
Ich halte diesen Vorschlag für sehr logisch und konstruktiv – ich könnte mir bspw. vorstellen, dass 60% der TV-Gelder nach Einschaltquote und 40% wie gehabt verteilt werden. Darüber sollte mal diskutiert werden. Alle die abwinken und nur von Neid und unsouveränem Verhalten sprechen, sollten sich mal abseits des oberflächlichen Medienhypes fragen, ob es nicht so gerechter wäre und warum dies keine einzelnen Frustrierten sind, sondern bei vielen Fans derartige Kritik aufkommt.
Wir sollten uns schleunigst Gedanken darüber machen, wie wir eine derartige Gerechtigkeit herstellen können (Verursacherprinzip, Chancengleichheit), ansonsten führt ein einfaches „Augen zu und durch“ zu langfristigen negativen Folgen für den Fußbal und wir könnten bald lauter aus dem Boden gestampfte Mäzen-finanzierte bzw. unternehmensabhängige Vereine im Profifußball haben (RB Leipzig lässt grüßen).
Geradezu grotesk ist es, wenn die Gegner dieser o.g. Kritik keine Argumente haben und mit der Moralkeule ankommen: Die Dortmunder sollen mal schön ruhig sein, die haben doch so viel Kohle verbrannt und es den armen Fans aus der Tasche gezogen (Aktien).
1. Hatte der BVB keinen Mäzen der so aus dem Nichts zig Millionen locker machte. Die Basis, um überhaupt an die Börse gehen zu können, dort so viel Vertrauen zu erhalten und so viel Geld investieren zu können wurde mit den sportlichen Erfolgen zu Beginn der 90er Jahre gelegt (vor allem der Finaleinzug im UEFA-Cup 1992/93 gilt hier -mit damals mind. eingenommenen 25 Mio. DM- als Startschuss). D.h. die Möglichkeiten all dies zu tun waren sportlich begründet. Dass zu Beginn dieses Jahrzehnts gravierende Fehler gemacht wurden im Management des BVB, die fast dazu geführt hätten, dass vor gar nicht mal fünf Jahren der BVB vernichtet worden wäre, ist unbestritten. Jedoch ist und war der BVB nie abhängig von den Finanzen einer einzelnen Person! Dies nun einer neuen Geschäftsführung vorzuwerfen, die sehr verantwortungsvoll den BVB auf solide Beine gestellt hat und wieder als vertrauenswürdig gilt, ist ein Zeichen vor argumentativer Hilflosigkeit. Wieso sollte sich der BVB nicht zu solchen Themen eine eigene Meinung bilden dürfen und diese in einer Vorreiterrolle auch öffentlich vertreten? Es dürfte viele andere Vereine geben, die dies ähnlich sehen.
Darf jemand, dessen Vorgänger in der Vergangenheit gravierende Fehler gemacht haben, nun aber zu einer anderen Vereinsphilosophie gefunden hat, keine Kritik mehr äußern? Ist es nicht gerade gut, dass ein „gebranntes Kind“ wie der Verein Borussia Dortmund, der mit seinen vielen Anhängern eher Gehör findet als andere, kleinere Vereine, voran schreitet und für etwas eintritt?
Die fehlenden Argumente bzw. die Anzeichen dafür, dass sich in den Medien mit diesem Thema inhaltlich kaum befasst wird, werden deutlich, wenn als letztes „Ja, aber…“ angebracht wird, dass ja von einem Verteilerschlüssel gerade der FC Bayern München profitieren würde. Hier wird die Scheinheiligkeit deutlich. Frei nach dem Motto: „Ich bin für Gerechtigkeit, aber bitte nur dann, wenn es mir/meinem Verein nützt.“
Natürlich würde der FC Bayern am meisten davon profitieren, aber auch viele andere Traditionsvereine wie bspw. der 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, der Hamburger SV oder auch Borussia Mönchengladbach würden dann endlich ihrer hohen Zuschauerzahl gemäß eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder erfahren und davon profitieren. Und nicht die Größe des Portemonnaies eines Mäzen würde darüber entscheiden, wie die Gelder verteilt werden.