Es steht mal wieder an, das sog. “B1-Derby” zwischen dem BVB und dem VfL Bochum (B1-Derby ist nicht etwa eine Klassifizierung, sondern der Begriff kommt daher, da die Verbindungsstraße zwischen Bochum und Dortmund nun mal die Bundesstraße 1 – der sog. Ruhrschnellweg, in Fachkreisen auch Ruhrschleichweg genannt – ist).
Meistens wird nur vom großen Derby zwischen dem FC Sch**** 04 und dem BVB gesprochen. Klar, das sind die großen Rivalen des Ruhrgebiets schlechthin. Die erfolgreichsten Vereine des Ruhrgebiets, die schon immer mit einer konkurrierenden Geschichte verbunden sind. Der VfL Bochum hat nicht so viele Extreme zu bieten wie Schalke und Dortmund (sportliche, wirtschaftliche Ausreißer nach oben und unten), dennoch ist der Vfl sicherlich nicht die “graue Maus” der Bundesliga für die er immer gerne gehalten wird. Die Geschichte des Vfl ist immer mit einer gewissen Tragik verbunden und aufgrund dessen, dass dort alles irgendwie etwas kleiner ist, als bei den großen Nachbarn, muss man schon etwas tiefer im Gedächtnis kramen, um Erfolge anführen zu können. Ich erinnere mich bspw. noch an den überraschenden UEFA-Cup-Achtelfinal-Einzug des VfL Bochum in der Saison 1997/98, als sie sich erst Ajax Amsterdam geschlagen geben mussten.
Doch ist es für den VfL Bochum nicht viel höher einzuschätzen, dass er nun bereits das vierte Jahr in Folge in der Bundesliga spielt? Von der ehemaligen Fahrstuhlmannschaft hin zu einem etablierten Verein in der Bundesliga – das kann im Grunde nur das Ziel des VfL sein. Umso merkwürdiger mag da für Außenstehende die Trainerentlassung von Marcel Koller wirken.
Wenn ich an vergangene, selbst miterlebte B1-Derbys zurückdenke, da sind mir folgende besonders in Erinnerung geblieben:
Sonntag, 19.11.2000, 17:30 Uhr. 13. Spieltag 2000/01 VfL Bochum-Borussia Dortmund 1:1 (0:0)
Ich schaute mir das Spiel in meiner Heimatstadt Herdecke in einer kleinen Kneipe an, die Mehrzahl hier war eigentlich immer schwarz-gelb. Beim Saisonfinale -ein halbes Jahr nach diesem B1-Derby- als ein kleiner Verein aus Herne-West von meinem Namensverwandten Patrick Andersson zum Meister der Herzen gemacht wurde – gab es hier jedoch auch einige Blau-Weiße aus Gelsenkirchen. Nun ja, zurück zum Spiel: Es war ein Durchschnittskick, das Spiel war nicht all zu gut, der BVB war überlegen, kassierte in der 2. Halbzeit jedoch etwas überraschend das 0:1. Drei Minuten vor Schluss konnte Jörg Heinrich wenigstens noch den erlösenden Ausgleich erzielen. Immerhin. Aber zufriedenstellend war das nicht. Irgendwie erinnert mich dieses Spiel an manche unserer aktuellen Auftritte. Es war das Jahr I unter Cheftrainer Sammer.
Freitag, 20.04.2001, 20:15 Uhr. 30. Spieltag 2000/2001 Borussia Dortmund – VfL Bochum 5:0 (2:0)
Sicherlich ein Highlight meiner B1-Derbys. Ein Flutlichtspiel am Freitag Abend. War die erste Viertelstunde noch nicht so berauschend, wurde danach ein Klassenunterschied bemerkbar. Ricken, Heinrich und zwei mal Giuseppe “Billy the Kid” Reina sorgten für die völlig verdiente 4:0 Führung an diesem kalten April-Abend vor 65.500 Zuschauern (da war das Westfalenstadion noch etwas kleiner). Die Südtribüne bebte und neben mir saß etwas bedröppelt ein Vfl-Bochum-Sympathisant, den ich ins Westfalenstadion mitnahm
An diesem Abend wurde es besiegelt: Der VfL wurde vom BVB in die 2. Liga geschossen! Der BVB rückte vor auf Platz 3 und der VfL blieb Tabellenschlusslicht. So sah das damals aus. Ich erinnere mich noch gut an folgende nette Geschichte: Beim Stand von 4:0 gab es in der 89. Minute einen Elfmeter für unsere Borussen. Es war die Zeit, als der BVB zum bislang letzten mal auf große Einkaufstour ging, der Riese Borussia Dortmund ein letztes Mal tief einatmete um viele Euros auszuspucken und um sich Meisterschaft und ein paar glänzende Europapokalabende zu gönnen. Ein paar Monate zuvor, in der Winterpause 2000/01 wurde der erste große Star hierfür eingekauft: “Schnitzel”“Der Mozart aus Prag” wie sie ihn damals nannten, Tomas Rosicky. Und in dieser 89. Minute forderten nun die Fans der Süd vehement eben jenen Tomas Rosicky, sie wollten ihm, dem jungen Hoffnungsträger, das Elfmetertor gönnen. Und was geschah? Miroslav “Micky” Stevic, fußballerisch etwas solider und limitierter als ein Rosicky, schnappte sich den Ball und verwandelte lässig mit dem Schlusspfiff zum 5:0. Der Jubel war dennoch ungetrübt.
Auf ein ähnliches Ergebnis und Spiel kann ich heute wohl nur hoffen, zumal die Borussia keinen Rosicky und Stevic mehr hat, und der VfL Bochum sicherlich besser spielt, als damals. Dennoch: Die Hoffnung besteht! Auf geht’s Dortmund!

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